Asbest am Dach - Das musst Du zu Ablauf, Schutz und Entsorgung wissen
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Asbest ist eines dieser Themen, bei denen „mal eben schnell“ richtig teuer – und vor allem gefährlich – werden kann. Gerade im Dachbereich (Sanierung, Rückbau, Reparatur, Durchdringungen, Entwässerung, Kaminanschlüsse) kann asbesthaltiges Material noch heute auftauchen. In Deutschland sind Arbeiten an Asbest streng geregelt (u. a. über die TRGS 519).
In diesem Beitrag bekommst du von Roofify einen praxisnahen Überblick: Was Asbest ist, wie du Verdachtsfälle erkennst, welche Schutzmaßnahmen für Dachdeckerbetriebe Pflicht und sinnvoll sind – und wie Verpackung, Asbest Kennzeichnung, Transport und Entsorgung sauber ablaufen.
Was ist Asbest – und warum ist es so gefährlich?
Asbest ist ein Sammelbegriff für faserförmige, natürlich vorkommende Silikat-Minerale. Früher wurde es wegen seiner Hitzebeständigkeit, Zugfestigkeit und Dämmwirkung in unglaublich vielen Baustoffen eingesetzt – auch am Dach.
Das Problem: Werden asbesthaltige Produkte bearbeitet oder brechen, können mikroskopisch feine Fasern freigesetzt werden. Diese Fasern sind lungengängig und gelten als krebserzeugend. Genau deshalb sind Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten (ASI-Arbeiten) sowie die Abfallbeseitigung rund um Asbest in der TRGS 519 detailliert geregelt.

Wo steckt Asbest typischerweise am Dach?
Asbest-Zement (häufigster Dach-Fund)
Am häufigsten begegnet dir Asbest als „Asbestzement“ – z. B. bei:
- Wellplatten (klassisch: alte „Eternit“-Wellplatten)
- Fassaden-/Dachplatten, teils auch Kunstschieferplatten
- First-/Ortgangteile, Lüfterhauben, Formteile
Weitere mögliche Asbestquellen (je nach Gebäudealter)
- alte Brandschutzplatten / Abschottungen
- bestimmte Spachtelmassen, Kleber oder Putze (v. a. im Innenbereich/Anschlüssen – weniger „klassisch“ am Dach, aber bei Sanierungen relevant)
Wichtig: Asbest ist in Deutschland seit 1993 verboten – trotzdem sind Bestandsbauten (v. a. bis Anfang der 90er) potenziell betroffen.
Asbest erkennen: Woran du Verdachtsfälle festmachst
1) Gebäudealter & typische Optik
- Baujahr grob vor 1993? -> Risiko steigt
- Wellasbest wirkt oft grau, zementartig, verwittert „kreidig“
- Platten können gestanzt, genietet oder mit speziellen Haken befestigt sein
2) Achtung: „Erkennen“ ist keine Diagnose
Mit dem Auge kannst du nur einen Verdacht ableiten – Gewissheit bringt nur eine Materialanalyse im Labor. Sobald Verdacht besteht: nicht sägen, nicht bohren, nicht flexen, nicht trocken bürsten.
3) Sofortmaßnahme bei Verdacht
- Arbeit stoppen
- Bereich sichern/kennzeichnen
- Entscheidung treffen: Probe nehmen lassen / Fachfirma / emissionsarmes Verfahren nach Regelwerk
Ablauf in der Praxis: So gehst du als Dachdeckerbetrieb sicher vor
Schritt 1: Gefährdungsbeurteilung & Arbeitsplan
Bevor es losgeht, brauchst du eine saubere Gefährdungsbeurteilung und einen Arbeitsplan – genau das fordert die TRGS 519 für Tätigkeiten mit Asbest und asbesthaltigen Materialien.
Schritt 2: Sachkunde & Anzeige (nicht „nice to have“)
Viele Asbestarbeiten dürfen nur von sachkundigen Personen bzw. Fachbetrieben ausgeführt werden. Außerdem gibt es Anzeige-/Meldepflichten für bestimmte Arbeiten – inklusive passender Formulare (BG BAU stellt z. B. aktuelle Anzeigeformulare bereit).
Praxis-Tipp: Plane die Anzeige frühzeitig ein, damit Baustart und Stillstand nicht kollidieren.
Schritt 3: Arbeitsbereich sichern & Staub vermeiden
- Asbest-Sicherheit heißt: Faserfreisetzung verhindern.
- nicht werfen, nicht kippen, nicht unnötig umfüllen
- Material möglichst im Ganzen abnehmen
- staubarmes Arbeiten (anfeuchten, geeignete Verfahren)
- Arbeitsbereich klar abgrenzen und warnen (Beschilderung)
Für asbesthaltige Abfälle gilt: Am Anfallort so sammeln und verpacken, dass keine Fasern freigesetzt werden – ausdrücklich ohne „Werfen/Kippen“.
Schutzmaßnahmen für Dachdecker: PSA, die wirklich zählt
Hier wird’s konkret. Wenn Asbest im Spiel ist, brauchst du passende Persönliche Schutzausrüstung (PSA) – und zwar so, dass sie zum Verfahren und Risiko passt.
Atemschutz: die richtige Asbest Maske
- Setze auf geeignete Asbest Atemschutz (typisch mind. P3-Filter, je nach Tätigkeit/Exposition auch höherwertige Lösungen).
- Dichtsitz (Fit) ist entscheidend: Bart/Undichtigkeiten = Schutzwirkung im Eimer.
- Wechselintervalle und richtige Aufbewahrung einhalten.
Körper-/Faserschutz: Asbest Schutzanzug
- Einweg-Schutzanzug (typisch Kategorie für Partikelschutz), Kapuze, enganliegend
- Nähte/Übergänge abdichten (z. B. mit geeignetem Klebeband), damit keine Fasern „wandern“
- Nach der Arbeit: kontaminationsarm ausziehen, fachgerecht entsorgen
Hände & Augen: Asbest Handschuhe + Schutzbrille
- Asbest Handschuhe: schnittfest genug für Plattenhandling, aber so, dass du sauber arbeiten kannst
- Asbest Schutzbrille oder Vollsichtbrille gegen Staub/Partikel (gerade bei Überkopf-Arbeiten extrem sinnvoll)
Hygiene & Organisation (oft unterschätzt)
- „Schwarz/Weiß“-Trennung (Arbeits-/Straßenkleidung)
- Einwegmaterial und Reinigungskonzepte
- Kontaminierte Werkzeuge nicht „einfach so“ in den Sprinter werfen
- Unterweisung der Mitarbeiter + klare Baustellenregeln
Verpackung & Kennzeichnung: Asbest Big Bag und Asbest Kennzeichnung richtig nutzen
Asbestabfälle müssen dicht, sicher und erkennbar verpackt werden. In der Praxis läuft das meist über Asbest Big Bags / Plattenbags.
Welche Verpackung ist üblich?
- Für plattenförmige Abfälle (Wellplatten/Platten): spezielle Plattenbags bzw. Big Bags in passender Länge
- Für Bruchstücke/kleinere Teile: Big Bags in geeigneten Formaten
Ein Beispiel aus einer Deponie-Preisliste zeigt sehr konkrete Anforderungen: Platten müssen in der Länge passenden Big Bags (z. B. 2,60 m oder 3,20 m) verpackt sein; Bruchstücke und kleinere Abschnitte haben eigene Bag-Formate.
Asbest Kennzeichnung – nicht verhandelbar
- Verwende nur dafür vorgesehene Asbest Säcke / Bags mit Warnhinweis/Bedruckung
- Der Arbeitsbereich und die Behältnisse müssen klar gekennzeichnet sein (TRGS-Logik: Schutz anderer Personen + klare Gefahrstoffkommunikation).
- Kurz gesagt: Ein normaler Baustellen-Big-Bag ist kein Asbest Big Bag.
Asbest Entsorgung: Wohin damit – und was musst du beachten?
Abfallschlüssel / Einstufung
Asbesthaltige Baustoffe laufen in der Regel unter AVV 17 06 05* (gefährlicher Abfall).
Annahmebedingungen sind regional unterschiedlich
Jede Deponie bzw. jeder Entsorger kann eigene Annahme- und Verpackungskriterien haben (Formate, maximaler Bruchanteil, Anlieferzeiten, Voranmeldung, Nachweise). Deshalb gilt: Vorher bei Entsorger/Deponie anfragen, nicht auf Verdacht losfahren.
Transport & Übergabe
- Verpackung dicht verschließen
- Nicht beschädigen, nicht nachverdichten
- Begleitdokumente/Nachweise je nach Entsorgungsweg beachten
Was kostet die Asbest Entsorgung?
Die Kosten schwanken deutlich nach Region, Entsorger, Materialart, Verpackungsaufwand, Transport und Deponieklasse.
Häufig genannte Richtwerte liegen grob bei 100–300 € pro Tonne, in Einzelfällen höher (z. B. bis etwa 500 €/t, je nach Rahmenbedingungen).
Zusätzlich kommen oft Kosten für Verpackung hinzu: Big Bags werden teilweise extra berechnet (häufig im Bereich „zweistellig pro Stück“, abhängig vom Typ/Format).
Wichtig für die Kalkulation im Dachdeckerbetrieb:
- Wie viel Fläche/Material fällt an (Gewicht!)
- Welche Bag-Formate sind vorgeschrieben?
- Transport/Logistik (Kran, Container, Fahrten)
- Deponiegebühren in deiner Region (z. B. NRW/Rhein-Sieg kann anders sein als Bayern oder Berlin)
Video: eternit in alten gebäuden wie entsorgt man asbest richtig 1080p
Roofify-Tipps: So gehst du auf Nummer sicher (und sparst Stress & Kosten)
Tipp 1: Verdacht = Stop & Check
Lieber 30 Minuten früher stoppen als später! Eine kontaminierte Baustelle birgt viel Risiko! Planung, Kennzeichnung und Schutz haben oberste Priorität!
Tipp 2: Keine „Staub-Tools“ bei Verdacht
Flex, Trennjäger, Bohrer ohne Staubabsaugung, Drahtbürste: alles tabu, solange nicht geklärt ist, ob Asbest im Material steckt.
Tipp 3: Plane Entsorgung vor Baustart
Kläre Annahmebedingungen, Bag-Formate, Abfallschlüssel und Anlieferfenster im Vorfeld. Eine Deponie, die Platten nur in bestimmten Längen-Bags annimmt, kann dir sonst den ganzen Ablauf zerschießen.
Tipp 4: Saubere Kommunikation im Team
Eine klare PSA-Liste (inkl. Asbest Maske, Asbest Schutzanzug, Asbest Handschuhe, Schutzbrille), Zuständigkeiten, und ein kurzer „Toolbox Talk“ morgens – das bringt auf der Baustelle mehr als jede PowerPoint.
Tipp 5: Dokumentation nicht vergessen
Gefährdungsbeurteilung, Arbeitsplan, ggf. Anzeigeformulare: Wenn geprüft wird, willst du nicht improvisieren.
Asbest ist beherrschbar – wenn du sauber arbeitest
Asbest am Dach ist kein Thema für Bauchgefühl. Wenn Verdacht besteht, braucht es einen strukturierten Ablauf, passende PSA, sichere Verpackung (Asbest Big Bag etc..), klare Asbest Kennzeichnung und eine korrekt organisierte Asbest Entsorgung – dann bleibt das Risiko klein und der Betrieb handlungsfähig. Die TRGS 519 liefert dafür den Rahmen.
Du möchtest Deinen Betrieb mit Asbest-Ausrüstung ausstatten? Kein Problem – schreib uns einfach eine Mail an Roofify.shop unter sales@roofify.de oder ruf uns an unter 0049 176 25 85 70 72. Wir erstellen Dir ein individuelles Angebot!
